Neues Jahr. Neues Denken.
Heart Words #27 – Ein Gespräch, das Türen öffnet
„So kann es nicht weitergehen.“
Wahrscheinlich hast du das schon oft gedacht. Bei der Arbeit. In Beziehungen. Beim Zeitunglesen oder beim Scrollen durch die Nachrichten-App…
Mit jedem Jahr, das vergeht, wird deutlicher: Unser politisches System ist zu klein. Zu eng. Es passt nicht mehr. Es setzt schlechte Anreize – Anreize, die uns langfristig schaden. Das Vertrauen in Politik und Politiker schwindet immer weiter.
Aber was tun?
Während man in den Talkshows des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vor allem damit beschäftigt ist, die bestehenden demokratischen Modelle zu verteidigen, gehen andere Denker einen Schritt weiter. Und denken neu.
Ein Disclaimer vorab: Ich habe keine Antworten. Mir ist nicht klar, welches Zukunftsmodell das beste ist. Und ebenso wenig, ob es sich überhaupt lohnt, die liberale Demokratie in Frage zu stellen. (Vielleicht ist es sogar schon ein Schritt zu viel, diese Worte zu schreiben. Ich habe ein bisschen Schnappatmung.)
Ich weiß nur eins: Wir müssen uns damit beschäftigen!
Und genau deshalb habe ich diese Woche mit Leo Mattes gesprochen. Auch wenn er zu bescheiden ist, um es sich selbst einzugestehen: Er ist ein großer Denker. Schon während seines Studiums hat er Fragen gestellt, für die es an den Hochschulen dieser Welt nur wenig Raum gibt.
Das Gespräch war unglaublich spannend. In meinem Kopf sind neue Türen aufgegangen. Wir haben über Praxeologie gesprochen, über Libertarismus und Mitgefühl. Und falls dir das zu ernst ist: Einhörner tauchen auch kurz auf.
Link zum Interview
Der heutige Newsletter ist der neuen Heart Money Folge gewidmet – der Episode mit Leo Mattes. Weil ich glaube, dass in ihr viele Aspekte stecken, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sehr relevant werden könnten. Nur so ein Bauchgefühl…
MEINE HEART WORDS DER WOCHE
1. Eine Revolution der Denkart
Leo hat schon während seines Maschinenbau-Studiums ein Buch geschrieben – mit dem eindrucksvollen Titel „Eine Revolution der Denkart“. Es geht um Praxeologie, eine Denkschule, die an den Universitäten dieser Welt kaum bekannt ist.
Praxeologie ist ein sperriger Begriff für einen erstaunlich einfachen Gedanken: dass nicht „die Gesellschaft“ handelt, sondern immer einzelne Menschen. Und dass man genau dort anfangen muss, wenn man die Welt verstehen will. Das verändert den Blick auf Politik, Wirtschaft und Verantwortung grundlegend.
Wer sich mit Praxeologie beschäftigt, lernt, souveräner zu denken und die Welt anders zu sehen. Viele politische Gewissheiten lassen sich plötzlich auf den Kopf stellen. In einer Zeit, in der Menschen mehr Fragen stellen, als die Politik beantworten kann, scheint das ein besonders hilfreiches Werkzeug zu sein…
Leos Buch findest du hier. Es enthält außerdem weitere Buchempfehlungen für alle, die tiefer in eigenständiges Denken, Ökonomie und Gesellschaft eintauchen wollen.
2. Eine überraschende Antwort
Ich wollte von Leo wissen, warum die praxeologische Denkweise so unbekannt ist. Während meines Studiums ist sie mir nie begegnet. Auch aus den Medien kenne ich sie nicht. Erst im Kontakt mit Bitcoinern bin ich überhaupt zum ersten Mal darauf gestoßen.
Während der Vorbereitung auf das Gespräch habe ich ChatGPT nach möglichen Gründen gefragt – und war höchst verwundert. So gesellschaftskritisch habe ich die KI bisher noch nicht erlebt:
Fast niemand begegnet der Praxeologie, weil sie nicht darauf abzielt, Systeme zu legitimieren, sondern Denken zu schärfen. Sie fragt nicht: ‚Was sollen Menschen tun?‘, sondern: ‚Was folgt logisch daraus, dass Menschen handeln?‘ Und diese Frage ist still, radikal und dauerhaft unbequem. — ChatGPT
Leos Einschätzung – und weitere erstaunliche Aussagen von ChatGPT – findest du im Interview.
3. Ein unbeliebtes Wort
Ich habe mit Leo nicht nur über Praxeologie gesprochen, sondern auch über Libertarismus. Ich verstehe das Thema selbst noch nicht besonders gut, finde es aber beeindruckend, wie klar Leo hier ist: Es geht um eine bestimmte Art des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Um Kooperation. Ohne Gewalt.
Was an sich positiv klingt, wird in der breiten Öffentlichkeit allerdings ganz anders wahrgenommen. Viele verbinden Libertarismus mit Egoismus und Waffen. Und ich merke immer wieder: Wir wissen einfach viel zu wenig darüber.
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„Bitcoin ist nur etwas für Kriminelle.“
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„Libertarismus ist nur etwas für egoistische Menschen ohne Empathie für die Schwachen.“
Zwei Klischees, die sich bei genauerer Prüfung als falsch entpuppen.
Und klar – es gibt sie: die lauten Libertären, die bei jeder Gelegenheit „Steuern sind Raub“ rufen und auch sonst eher abschreckend auftreten. Aber es sind längst nicht alle so. Leo ist ganz anders, wie du im Interview feststellen kannst.
Leo mag den Begriff „libertär“ übrigens nicht. Er sagt stattdessen: „Ich bin für Kooperation.“ Das beschreibt seine Haltung wahrscheinlich genauer als der Begriff selbst.
4. Ein Video
Am Ende unseres Gesprächs habe ich Leo eine ungewöhnliche Frage gestellt. Ich wollte von ihm wissen, welches Video er auf YouTube veröffentlichen würde, wenn es einen Tag lang nichts anderes zu sehen gäbe als dieses eine Video.
Seine Antwort hat mich überrascht: kein Vortrag, keine Theorie, sondern ein Song. „Degeneration“ – ein Musikvideo, das zeigt, wie sich unsere Lebensweise über Generationen hinweg verschoben hat – und was dabei verloren gegangen ist.
Du findest das Video hier. Nicht ohne Nachhall…
5. Ein Zitat
Weder Bitcoin noch Libertarismus liefern die Antwort. Ruhig auf dem eigenen Grundstück zu sitzen, verleiht dem Leben keinen Sinn. Sind wir bereit für diese Diskussion? – Leo Mattes
Link zum Post
Ich habe Leo diesen Post während unseres Gesprächs vorgelesen und ihn gefragt, was er damit meint. Und auch hier hat mich seine Antwort überrascht. Leo beschreibt ein Drei-Schichten-Modell:
Ganz unten steht die Praxeologie. Sie beschreibt, was ist – wie menschliches Handeln funktioniert.
Darauf baut der Libertarismus auf. Er beantwortet die Frage, was rechtens ist: Kooperation statt Gewalt.
Aber damit ist das Bild noch nicht vollständig. Es fehlt eine dritte Schicht: die Frage danach, was gut ist. Leo nennt sie Metaphysik oder Spiritualität – also das, was dem Leben Richtung, Sinn und Tiefe gibt.
Der Post ist für mich ein interessanter Denkanstoß: Freiheit allein reicht nicht aus, um ein gutes Leben zu führen. (Vielleicht ist das ein Thema, das irgendwann eine eigene Folge verdient.)
Neues Jahr. Neues Denken. – Hintergrund mit KI generiert ✨
Ich wünsche dir ein frohes und gesundes neues Jahr. Mögen die richtigen Wünsche in Erfüllung gehen. 🍀
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Hab einen schönen Sonntag oder eine schöne Woche – ganz egal, wann du diese Worte liest.
Nicole ❤️
Veröffentlicht am 4. Januar 2026 auf Substack.