Bitcoin trifft Bildung
Heart Words #29 – Grund zur Hoffnung
Es ist erst Mitte Januar und das Jahr fühlt sich so an, als hätten wir schon Ende Februar. Es ist wieder so viel los. In den letzten Tagen gab es sogar einen kleinen Bitcoin-Pump auf zwischenzeitlich knapp 98.000 Dollar. Das hat mich gefreut. Möchte ich gar nicht leugnen.
Nach fast zwei Jahrzehnten habe ich diese Woche wieder die Schulbank gedrückt. Aber nicht als Schülerin, sondern als Gast. Ich durfte zwei Doppelstunden mit einer 10. Klasse einer Realschule+ in Rheinland-Pfalz verbringen und mit den Schülerinnen und Schülern über Bitcoin sprechen.
Die unzähligen überraschenden und bezaubernden Eindrücke, die ich mitnehmen durfte, reichen gefühlt für einen ganzen Monat. Und manche schwirren noch immer lose in meinem Kopf…
Bevor ich die Schule besucht habe, erzählte ich mir diese Geschichte: „Ist doch klar, dass so viele Lehrer hinschmeißen. Alles viel zu starr, viel zu schwierig. In diesem System kann man kein guter Lehrer sein. Das geht gar nicht.“
Nach meinem Besuch kommt mir diese Haltung wahnsinnig engstirnig vor. Denn ich habe vor ein paar Tagen einen Lehrer erlebt – Philipp Spath –, der beweist, dass das Gegenteil möglich ist: Schüler auf die Zukunft vorbereiten, wirklich relevante Inhalte vermitteln und dabei eine wertschätzende Umgebung schaffen – mit Respekt und Vertrauen.
Ich habe mich bei dem Gedanken ertappt, dass ich viel zu oft die großen Dinge will: „Das System muss weg. Dann brauchen wir dieses und jenes, damit dies und das funktioniert. Und dann können wir endlich die richtigen Dinge auf eine gute Art und Weise tun.“
Diese Woche habe ich realisiert, dass der Fokus auf die großen, systemischen Fragen etwas Wesentliches überdecken kann: all die Möglichkeiten, die ich – und die wir alle – heute schon haben, um etwas zum Besseren zu verändern oder etwas Neues in die Welt zu bringen. Auch wenn es noch so „klein und unbedeutend“ erscheinen mag.
Wie es zu meinem Schulbesuch kam und wer dieser Lehrer ist, der Bitcoin auf den Stundenplan geschrieben hat, erfährst du im neuen Heart Money Video.
Heart Money Episode 27 ▶️ Bitcoin im Klassenzimmer: Ein Lehrer spricht Klartext
MEINE HEART WORDS DER WOCHE
1. Ein Erwartungsmanagement
Erst in meinen 30ern habe ich dieses so nützliche Wort und Konzept kennengelernt: Erwartungsmanagement. Im Berufsleben beschreibt es, wie man Erwartungen bewusst klärt, steuert und einordnet, um Frust und falsche Annahmen zu vermeiden.
Seitdem ich die Erwartungen anderer – von Kunden, Kolleginnen und Freunden – bewusst versuche zu managen, kommt es viel seltener zu Missverständnissen oder Enttäuschungen. Eine super Sache!
An diesen Begriff musste ich auch bei der Begegnung mit Philipps Schulklasse denken. Denn noch vor der Bitcoin-Unterrichtseinheit kam ein Schüler auf mich zu. Groß gewachsen, feste Locken, lebhafte Augen – mit einem charismatischen Gesichtsausdruck. Schon als er zu sprechen anfing, musste er lachen.
Sein Anliegen? Er wolle mir nur sagen, dass er im Unterricht immer viel lachen müsse, er aber gar nichts dafür könne und sich schon mal vorsorglich dafür entschuldige.
Ich versicherte ihm: „Kein Problem. Es freut mich, wenn Leute gut drauf sind.“ Ich lachte mit ihm und dachte: „Wow, was für ein gelungenes Erwartungsmanagement.“ 😄
Derselbe Schüler hat mir gegen Ende des Unterrichts noch zugerufen: „Sie haben geredet wie eine Löwin!“ 😂
Ich wünsche ihm, dass Schule, Berufsleben oder sonstige Umstände ihm niemals seine gute Laune und sein Lachen nehmen. (Er steht auf dem Foto übrigens direkt hinter mir – mit einem breiten Lachen im Gesicht.)
Lehrer Philipp Spath, seine Schüler und ich, Realschule+ am Scharlachberg in Bingen
2. Ein Umdenken
Viele Berufe sind heute zur Herausforderung geworden, vor allem die sozialen. Lehrer, Krankenpfleger, Therapeuten, etc. haben oft eines gemeinsam: Sie sind überlastet. Auch darüber spricht Philipp in unserem Interview.
In meinem Bitcoin-Umfeld denken viele Lehrer darüber nach, aufzuhören – falls sie es nicht schon getan haben. Und ich kann das verstehen. Wer durch seine Arbeit im schlimmsten Fall sogar krank wird, muss etwas ändern.
Und gleichzeitig tut mir das unendlich leid. Kinder und junge Erwachsene brauchen Vorbilder, Begleitung und gute Lehrer, die wie Philipp Brücken in eine chancenreiche Zukunft bauen. Es sind schließlich immer Menschen, die einen Unterschied machen.
Ich nehme seit einigen Monaten (oder sind es schon Jahre?) einen Trend wahr: den Trend auszuwandern. Aufzuhören. Die Dinge sein zu lassen.
Was ist dieses Aufhören? Ein gesunder Ausdruck von Selbstfürsorge? Oder ein Symptom von Überlastung, Unzufriedenheit und Groll?
Ist Aufhören immer eine gute Option? Oder ist es viel mehr ein Hinweis auf fehlende Resilienz und mangelnde Geduld?
Ich bin unschlüssig…
3. Ein Todestrieb
Jede Begegnung mit Philipps Schülern hat etwas bei mir hinterlassen. Bewunderung, Staunen, Faszination oder auch… Sprachlosigkeit.
„Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn es die Menschen nicht gäbe“, erzählte mir eine Schülerin, die sich – so sagte sie – bewusst vegan ernährt.
Wie reagiert man souverän auf einen jungen Menschen, der die eigene Existenz am liebsten auslöschen würde? (Zumindest in der Theorie.) Mein Kopf suchte nach Worten, die im besten Fall Hoffnung vermitteln und mein Gegenüber gleichzeitig ernst nehmen würden. Doch mir wollte nichts Passendes einfallen…
Das war eine von diesen Situationen, bei denen man im Nachhinein denkt: „Ach, hätte ich doch DAS gesagt“, weil ein paar Stunden oder Tage später plötzlich eine passende Antwort auf dem Silbertablett liegt. Mit Schleife.
Ich hätte sie jetzt gerne gefragt, ob sie das Buch „Der Todestrieb in der Geschichte“ kennt – ein Buch über die zerstörerischen, lebensfeindlichen Dynamiken moderner Ideologien, unter anderem am Beispiel des Kommunismus. Es liegt schon sehr lange auf meinem Schreibtisch und stützt meinen Computerbildschirm.
Kurz gesagt geht es darin um die Frage, warum Gesellschaften und politische Bewegungen immer wieder Ideen hervorbringen, die sich letztlich gegen das Leben selbst richten: gegen Individualität, gegen Verantwortung, gegen Freiheit. Der Autor beschreibt, wie der Wunsch nach totaler Gleichheit und Kontrolle in der Praxis häufig in Zerstörung, Entmenschlichung und Gewalt kippt – auch dann, wenn die ursprünglichen Absichten „gut“ gemeint waren.
Ich habe es selbst noch nicht gelesen, bin mir aber fast sicher, dass es großen Erkenntnisgewinn liefert. Partei- und ideologieübergreifend. (Leo Mattes hat es bereits gelesen und für gehaltvoll befunden.)
4. Eine Video-Empfehlung
Philipp hat seinen Schülern „Bitcoins Potential“ von BlueGuy auf YouTube gezeigt. Dieser Klassiker (falls man im Bitcoin-Kontext überhaupt schon von klassisch sprechen kann) zeigt besonders gut, welche Eigenschaften Geld haben sollte, um gutes Geld zu sein. Nicht nur für Schüler ein sehenswertes Video. Eine große Empfehlung, falls du es noch nicht kennst. Du findest es hier.
5. Ein Zitat
Am liebsten erinnere ich mich an die Zukunft. – Salvador Dalí zugeschrieben
Es gibt Hoffnung, Leute! – so wollte ich diese Newsletter-Ausgabe eigentlich beginnen. Sie mit diesen Worten abzuschließen, ist aber genauso gut.
Es sind nicht die abstrakten Konzepte, wie etwa Staaten oder Behörden, die funktionieren oder nicht funktionieren und unsere Gesellschaft ausmachen. Es sind Menschen, ihre Absichten, Handlungen und Entscheidungen, die unsere Zukunft gestalten.
Und solange wir immer wieder tollen Menschen wie Philipp begegnen, gibt es Grund zur Hoffnung. ⭐
Danke fürs Lesen! Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, hinterlasse doch gerne ein Herz und einen Kommentar. Dein Feedback hilft, diesen Newsletter besser und bekannter zu machen.
Hab eine gute Nacht oder eine schöne Woche – ganz egal, wann du diese Worte liest.
Nicole ❤️
Veröffentlicht am 18. Januar 2026 auf Substack.