Bitcoin Apps, die ich nutze – Teil 12: Point of Sale Lösungen
Eine kleine Rubrik-Pause: Heute geht es um Apps, die ich selbst weniger nutze, aber die für jeden interessant sind, der Bitcoin im eigenen Geschäft annehmen will. Drei Lösungen, drei unterschiedliche Stärken: Coinos, Numo und Blitz.
PoS-Apps unterscheiden sich von normalen Wallets in einem wichtigen Punkt: Sie sind für Annahme statt Versand optimiert. Schnelle Bedienung im Verkaufsgespräch, automatische Auszahlung an die eigene Wallet, möglichst wenig technische Reibung im Alltag.
Ein wichtiges Prinzip vorweg
Coinos und Numo sind aktuell beide custodial – die eingehenden Funds liegen zunächst beim Anbieter. Beide lösen das auf elegante Weise: per Auto-Withdrawal-Funktion. Ab einem selbst gesetzten Schwellenwert wird automatisch an die eigene self-custodial Wallet ausgezahlt.
Das verschiebt das Custody-Risiko in den Bereich eigener Entscheidung: Wieviel bin ich bereit, kurzfristig beim Anbieter zu lassen? 50 €? 500 €? Je niedriger der Schwellenwert, desto mehr Onchain-Gebühren, aber desto weniger Custody-Risiko. Jeder Merchant kann das für sich selbst kalibrieren.
Coinos
Ein einziger Account, der Onchain, Liquid, Lightning und Cashu auf einmal abdeckt. Sehr niedrige Gebühren (0,1% beim Auszahlen), Web-basiert (kein App-Store nötig), Open Source.
Für Merchants, die maximale Flexibilität bei Annahme-Optionen wollen, ist Coinos schwer zu schlagen. Ein Kunde mit Lightning, einer mit Liquid, einer mit Cashu – alle landen auf demselben Account.
Numo
Die spannendste neue PoS-Lösung: Tap-to-Pay über NFC, vergleichbar mit der Apple-Pay-Erfahrung. Der Kunde tippt sein Handy ans Merchant-Phone, eine Cashu-Token-Übertragung läuft im Hintergrund, fertig. Funktioniert offline – wichtig auf Märkten oder bei schlechtem Empfang.
Tap-to-Pay setzt eine Cashu-Wallet beim Kunden voraus. Für klassische Lightning-Wallets (Phoenix, Blink, Alby Go etc.) gibt es Lightning-QR als Alternative – Numo unterstützt beide Wege.
Open Source, kostenlos, NFC funktioniert wegen iOS-Restriktionen nur auf Android.
Blitz
Wenn Blitz ohnehin schon im eigenen Stack ist (Lightning, Liquid, Rootstock, Stablecoins, eigener Hub), liegt der PoS-Modus direkt mit dabei. Kein zweiter Account, keine zweite App. Hier liegt die Custody-Frage anders – die Blitz Wallet ist self-custodial (auch wenn Spark mit eigenen Trust-Trade-offs kommt, siehe Teil 5).
Besonderheit: Blitz kann Stablecoin-Zahlungen im Hintergrund in Bitcoin umwandeln. Für Merchants, die kein Volatilitätsrisiko wollen: Kunde zahlt in USDT, im Konto landen Sats. Für Stablecoin-User, die nicht in Bitcoin investieren wollen: Kunde zahlt in USDT, du bekommst USDT. Diese Flexibilität ist im PoS-Bereich aktuell einzigartig.
Wann was?
→ Mehrere Annahme-Optionen ohne Hardware-Setup, möglichst niedrige Gebühren: Coinos.
→ Tap-to-Pay-Erlebnis im Laden, offline-fähig auf Märkten: Numo.
→ Wer Blitz ohnehin nutzt und Stablecoin-Annahme braucht: Blitz.
Mein Fazit:
Ich nutze keine dieser drei Apps täglich, weil ich keinen Laden betreibe. Aber jede löst ein konkretes Problem auf eigene Weise – und gemeinsam zeigen sie, dass Bitcoin im stationären Handel mittlerweile reif für Mainstream-Akzeptanz ist. Keine teuren Terminals, keine Plattform-Gebühren, keine Banken im Hintergrund.
Wer einen Laden, einen Marktstand oder ein Café betreibt: alle drei sind einen ernsthaften Blick wert.