Am 07.06.26 war ich als Zuschauer beim Ironman in Hamburg - ein Jahr nachdem ich selbst dort teilgenommen hatte. Ich wollte die Atmosphäre als Zuschauer mitnehmen. Aber ganz besonders wollte ich andere anfeuern, wie ich damals von den Zuschauern angefeuert wurde!
"Ironman" ist nur einer von vielen Anbietern für Triathlon Events und in Hamburg ist das eben eine Triathlon Langdistanz:
- 3,8km Schwimmen
- 180km Fahrradfahren
- 42,2km Laufen
Die Leute bereiten sich über mehrere Jahre darauf vor. Das Training, das man in der Zeit bis dahin absolviert, ist absurd! 4-6 Tage Training pro Woche über Jahre! Am Wochenende zu Extremzeiten bis zu 5h PRO TAG reine Trainingszeit - hinzu kommen Anfahrten, Duschen, Klamotten waschen, Essen. Social Life ist bei 10%, weil man einfach keine Zeit für nichts hat. An den trainingsfreien Tagen denkt man, man kann entspannen - falsch gedacht: Einkaufen, Friseur, Geschenk für Geburtstag einpacken, Eltern mal wieder anrufen, Wohnung sauber machen, Freunden auf Msgs antworten oder einfach auch mal nur einen Film gucken.
Und hier rede ich nur von denen, die Triathlon nicht als Profis machen, sondern neben der Arbeit und nicht davon leben müssen.
Wer dazu mal ein wirklich schönes Video sehen will, dem empfehle ich auf Youtube:
"Vom SÄUFER zum IRONMAN in 9 Monaten!" Von Stephan Gerick.
Jetzt zu dem Ironman in Hamburg dieses Jahr.
Ich wollte die Leute anfeuern, weil ich weiß, wie scheiße die letzten km beim Laufen sein können. Bekommen habe ich: Zuschauer, die ihren Liebsten in der Wechselzone hinterher rennen, um sie anzufeuern. Mit Schildern und coolen Sprüchen darauf. Eltern haben Tränen in den Augen, weil sie ihre Kinder anfeuern. Partner sagen "du hast so viel dafür trainiert und WIR haben so viel dafür gegeben - du lässt jetzt nicht locker!". Freunde machen für ihren Kumpel Fotos und Videos und brüllen dabei "Wir glauben an dich und stehen vollkommen hinter dir!". Ein Athlet hatte bei meinem Event ganz fett auf seinen Arm geschrieben: "Don't stop!".
Der Grad an Stimmung und der Lautstärkepegel beim Anfeuern besonders in den letzten Minuten vor der ersten Cut-Off Zeit beim Schwimmen, um den letzten Athleten noch klar zu machen, dass sie sich verdammt nochmal ranhalten müssen, damit sie nicht disqualifiziert werden. Der Druck auf die Athleten und die Motivation der Zuschauer war gigantisch.
Und das Folgende sage ich nochmal mit Hinblick auf deren Vorbereitungszeit für einen Ironman: Ich habe Leute gesehen, die anscheinend ausgeschieden sind - welche Gründe auch immer - die absolut heulend in die Arme ihrer Liebsten gefallen sind und dort über Minuten hinweg im Arm gehalten wurden. Monate- und jahrelanges Training für dieses Event und dann geht irgendetwas schief, sodass du es nicht schaffst. Das Mädel, das in den Armen ihres Freundes versunken ist und laut geheult hatte, während die Familie drum herum stand, werde ich nie vergessen.
Lenkerschraube abgebrochen, Sturz beim Fahrradfahren, Ernährung doch nicht vertragen, mit einem dummen Zuschauer kollidiert, ... alles Dinge, die einfach passieren. Schicksal.
Und dann war da der Vorfall in Hamburg: Dort haben Anwohner, die anscheinend durch die Streckenführung ihr Grundstück nicht mit dem Auto verlassen konnten, Schilder aufgestellt: "Euer Freizeitspaß schrängt uns schon täglich heftig ein – und heute: Gefängnis". Und dazu wurden Metallsplitter auf der Strecke verteilt, sodass unfassbar viele Reifen geplatzt sind - für manche dann sogar nochmal der Ersatzreifen! Kaum einer nimmt 2 Ersatzreifen mit - manche sogar gar keinen. Und dann bist du halt ganz einfach ausgeschieden.
Nochmal: Du trainierst JAHRE für dieses Event. In jeder Stunde deines Trainings denkst du daran, wie du dort performen willst und stellst dir am Ende jedes Trainings vor, wie du über die Ziellinie gehen willst. Alles was du in deiner Freizeit machst, deine Unterhaltungen mit Freunden, deine Youtube Video-History und sogar deine Ernährung hängt irgendwie zusammen mit der Vorbereitung auf diesen einen besonderen Tag.
Und dann sowas ...
Und dennoch: Mich beeindruckt dieser Willen der Athleten viel mehr, als mich diese Tat herunterzieht. Die Motivation für andere auch etwas zu erreichen, ist beeindruckend!
Macht euch selber Ziele, egal in was! Nicht die Ziele von anderen, sondern eure eigenen! Und wenn es bedeutet, dass ihr überhaupt erst einmal damit anfangt zu laufen, ein Instrument zu spielen oder eine Sprache zu lernen. Verbessert euch in das, was ihr liebt und lernt dazu. Werdet die beste Version von euch selbst! 🧡