@nprofile1q... Es geht mir weniger drum, dass auch der AG-Anteil bezahlt werden muss (natürlich muss er das), sondern dass man in Deutschland im Wesentlichen davon ausgeht, dass man Selbständigkeit von jung an angeht (was mich an die Testimonials von "self made"-Leuten erinnert, die sich feiern, wie sie alles selbst aufgebaut haben, und irgendwo im Halbsatz kommt dann, dass sie eine 6-7stellige Cashspritze von den Eltern bekommen haben) oder von Beginn der Selbständigkeit an eigentlich so viel Gewinn einfährt, dass man sich eigentlich auch zur Ruhe setzen könnte:
Es werden bei den Abgaben oft erst mal die Spitzensätze angenommen und dann kann man Lotterie spielen, ob man es schafft, irgendwelche Beamte, die ihr Geld am 15. kriegen, davon zu überzeugen, dass man 2 Krankheitstage von der Privatinsolvenz entfernt ist, und damit in realistischeren Abgabebereichen landet - was Zeit kostet, die man nicht ins Geschäft stecken kann.
"Sei jung, mit reichem Hintergrund" oder "sei so reich, dass du nicht mehr arbeiten musst" als Voraussetzung für Selbständigkeit ist ein ziemlich guter Anreiz, dass "people prefer being employed by some superpower stock market corporations over starting their own businesses".
Dann, Preisgestaltung: gut, dann preise ich die Maximalabgaben in meinen Produkten ein. Damit hab ich mir die "normale" Kundschaft ausgepreist.
Wie wärs, Produkte für die öffentliche Verwaltung zu bauen, die wollen doch immerhin alles und jeden digitalisieren und sind finanziell etwas elastischer? Schade, aber ohne 3 Leute am Produkt (und 2 mehr, die sich um Meetings und Papierkram kümmern) und so-und-soviel Jahren im Geschäft brauchst du dich auf Ausschreibungen gar nicht erst bewerben. (Und ja, auch das hat einen Sinn, aber macht es halt auch wieder schwieriger, sich gegen ein Angestelltendasein zu entscheiden.)
Um an diesen Punkt zu kommen, machst du dann halt einige Jahre den Subunternehmer für irgendeine "superpower stock market corporation": Aber pass auf, dass es nicht de-facto und de-jure in die Scheinselbständigkeit abgleitet. Und hoffentlich hast du einen Auftraggeber, der dich nicht als zinslose Bank behandelt, weil die eh schon großzügigen Zahlungsziele in einem Maß überschritten werden, für das du selbst im Knast landen würdest.
All das betrifft "gemachte Selbständige" nicht mehr: sie sind tatsächlich in der Einnahmensituation, dass sie eh die Bemessungsgrenzen erwischen, haben außerdem Personal, sich um den Papierkram zu kümmern und genug Puffer, auch ein offiziell-60-inoffiziell-180 Tage Zahlungsziel abzufedern. Mir fällt dieses Bild von "Leiter hinter sich hochziehen" ein...
Und ich bin mir sicher, dass unsere durchindustrialisierten Megakonglomerate das ganz gut finden: Leute, die fürn Appel und nen Ei für sie arbeiten, Aufträge, die per Glücksrad auf T-Systems, Siemens, SAP und DB Systel verteilt werden, und eine Politik, die dann noch die Frechheit hat, mehr Lebensarbeitszeit und weniger "Faulheit" für "unseren Wohlstand" zu fordern, statt die Rahmenbedingungen zu verbessern.
"People prefer" beschreibt die Situation m.E. nicht so ganz richtig.
(Quelle: Versatzstücke der Erfahrungen verschiedener Selbständiger mit denen ich zu tun hatte und habe)